Jahresbericht 2022

Die herausfordernde Lage an den Energiemärkten des letzten Jahres spiegelt sich auch im Jahresergebnis der LKW wider. Das Geschäftsjahr 2022 wurde mit einem ausserordentlichen Verlust von insgesamt 20 Mio. CHF abgeschlossen. Mit ein Grund für das negative Ergebnis sind massiv höhere Kosten durch gestiegene Netz- und Energiekosten, die im Jahr 2022 bewusst nicht an die Kundinnen und Kunden weiterverrechnet wurden. Trotz grosser Herausforderungen konnten sich die LKW auch weiterentwickeln. Positiv ist u.a. festzuhalten, dass der Glasfaserausbau in Liechtenstein so gut wie abgeschlossen und das Ziel der Energiestrategie 2030 bezüglich erneuerbarer Energie erreicht werden konnte.

Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der veränderten geopolitischen Lage sind die Energiepreise an der Börse im Jahr 2022 regelrecht explodiert, zum Teil um das Zwanzigfache. Dies hat auch bei den LKW zu sehr hohen Kostensteigerungen bei der Spotmengenbeschaffung für ihre Sondervertragskunden geführt. Zudem verzichteten die LKW im vergangenen Geschäftsjahr auf unterjährige Preiserhöhungen bei den Haushalts- und Kleingewerbekunden, da diese teilweise mit der Eigenproduktion abgefedert werden konnten. All diese Einflüsse sind Gründe, dass trotz einer Umsatzsteigerung um etwa 20 Prozent ein Verlust resultiert, den die LKW im Jahr 2022 zu verbuchen haben.

Vergleichszahlung an Grosskunden
Die LKW haben im Auftrag eines externen Portfoliomanagement-Unternehmens, welches von Grosskunden vorgegeben wurde, Strom für diese Kundengruppe an den Märkten für 2018 bis 2025 beschafft. Das externe Portfoliomanagement-Unternehmen hielt sich nicht an die gemeinsam vereinbarte Beschaffungsstrategie für die Gruppe von Grosskunden, was zu einer Rückforderung in Höhe von 30 bis 40 Mio. Franken bei den LKW führte. Um die LKW vor einem ungewissen Ausgang eines Gerichtsverfahrens mit einer potenziell sehr hohen Schadenersatzzahlung zu schützen, konnte mit den betroffenen Grosskunden ein Vergleich vereinbart werden, der die Jahresrechnung 2022 zusätzlich mit 6.7 Mio. CHF belastet. Da die Verantwortung für die Vertragsverletzung offensichtlich beim externen Portfoliomanagement liegt, haben die LKW gegen dieses ein Regressverfahren eingeleitet. Die rechtlichen Chancen der LKW auf eine Rückzahlung sind intakt. Die Umstände, die zu dieser Vergleichszahlung geführt haben, wurden auch intern minutiös aufgearbeitet, und Verbesserungen in den entsprechenden Abläufen der LKW wurden bereits grösstenteils umgesetzt.

LKW haben sich weiterentwickelt
Die verschärften Bedingungen am Strommarkt liessen das Risiko entstehen, dass im Winter 22 / 23 eine Strommangellage herrscht, die sich nicht zuletzt aufgrund des milden Klimas glücklicherweise nicht manifestierte. Das Risiko einer Mangellage war greifbar, und es war richtig, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um eine solche Situation in den Griff zu bekommen.
Trotz der ausserordentlichen Herausforderungen insbesondere der letzten beiden Jahre haben sich die LKW weiterentwickelt. Die Verfügbarkeit der Versorgungsnetze, die Digitalisierung der Stromverteilnetze, der nahezu abgeschlossene Glasfaserausbau, die Inbetriebnahme des Kraftwerks Packerbach in der Steiermark, das neue PV-Bürgerbeteiligungsmodell, die E-Mobilladekarte und die weiterhin erfolgreichen Marktbereiche sind nur einige der positiven Meilensteine des Geschäftsjahres 2022.

Ende des Mammutprojekts Glasfaserbau
Seit Ende des Jahres 2022 sind die meisten Gemeinden flächendeckend an das Glasfasernetz angeschlossen. Der Ausbaugrad liegt bei 99.2 Prozent, das entspricht 24'713 Nutzungseinheiten bei einer hohen Take Rate von 69.1 Prozent. Mit diesem weltweit führenden Ausbaugrad wurde ein wichtiger Beitrag zur digitalen Infrastruktur von Liechtenstein gelegt.
Bis Mitte des Jahres 2023 werden die letzten noch rund 400 Nutzungseinheiten, die sich im Alpengebiet befinden, erschlossen sein. Damit ist der Glasfaserausbau in Liechtenstein endgültig abgeschlossen. Der erfolgreiche und schnelle Glasfaserausbau hat auch international für Anerkennung gesorgt: Die LKW wurden mit dem European Broadband Award 2022 ausgezeichnet.

Mehr erneuerbare Energie dank Photovoltaik-Boom
Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen hat im Jahr 2022 stark zugenommen. Dabei spielen steigende Energiepreise, aber auch neue technische Möglichkeiten eine zentrale Rolle. Wie auch in anderen Branchen führten jedoch diverse Liefer- und Personalengpässe zu langen Wartezeiten für Offerten. Auch bei der Umsetzung kommt es zu Verzögerungen, denn die Lieferzeiten gewisser Komponenten dauern nach wie vor zum Teil bis zu einem halben Jahr. Im Jahr 2022 wurden allein bei den LKW circa 500 Offerten für Anlagen erstellt, rund 170 Photovoltaikanlagen wurden montiert und etwa 60 Anlagen befanden sich Ende des Jahres im Bewilligungsverfahren. Damit wurde das vorgegebene Ziel installierter Leistung der Energiestrategie 2030 von 5 Megawattpeak, gemeinsam mit den anderen Marktteilnehmern, erstmals erreicht. Der Absatz an erneuerbarer Energie hat gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zugenommen. Mit der neuen LKW-Solarbeteiligung können seit letztem Herbst auch Personen ohne eigene Photovoltaikanlage von Sonnenstrom profitieren. In Liechtenstein wohnhafte Personen können sich an einer von den LKW errichteten PV-Anlage beteiligen und über 20 Jahre vom Sonnenstrom profitieren.

Ausblick Strompreise für 2024
Derzeit sind fallende Preise an den Terminmärkten und am Spotmarkt zu beobachten. Die Strombeschaffung für 2023 für die Versorgung der Endkunden ist bereits grösstenteils erfolgt, was die Preise weitgehend festlegt. Bereits beschaffte Mengen für 2024 sind jedoch deutlich unter dem aktuellen Endkundenpreis 2023. Gleichzeitig hat Swissgrid Preiserhöhungen angekündigt, die auch an die LKW weiterverrechnet werden. Die Auswirkungen auf die Endkundenpreise der LKW für die Netznutzungsgebühren für 2024 sind noch nicht abschliessend beurteilbar. Die Kommission für Energiemarktaufsicht (EMK) als nationaler Regulator ist seit einigen Monaten dabei, die Netznutzungspreise wie geplant zu überprüfen. Die Kosten für das vorgelagerte Netz (Swissgrid und AXPO) werden in diese Betrachtungen einfliessen. Konkrete Entscheidungen im Hinblick auf die weitere Preisgestaltung können die LKW frühestens im zweiten Halbjahr 2023 treffen.


Fragen und Antworten zum Jahresbericht 2022

Warum sind die Strompreise so stark gestiegen und warum haben die LKW einen Verlust gemacht? Warum müssen wir Netznutzungsgebühren zahlen und wann sinken die Preise wieder? Hier haben wir Antworten auf die  wichtigsten Fragen zum Jahresbericht und zur aktuellen Lage der LKW für Sie zusammengestellt.

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